von Martin Schubert
Wie jedes Jahr begluckt uns auch dieses Jahr Convekta wieder mit einer neuen Version des Datenbankprogrammes Chess Assistant. Wie jedes Jahr hat der Chess Assistant auch dieses mal einige neue Dinge zu bieten. Doch die Unterschiede zwischen den Versionen werden nicht, wie vielleicht zu erwarten ware, von Version zu Version geringer. Ganz im Gegenteil!
Hatte schon die Version 5 etliche neue Funktionen, so wird sie von der Version 6 noch deutlich ubertroffen. Es sind im Vergleich zum Vorganger sehr viele Funktionen neu dazugekommen, verbessert und uberarbeitet worden. Dadurch ist der Chess Assistant 6 so umfangreich geworden, dass es den Rahmen eines Artikels sprengen wurde, auf alle Einzelheiten des Programmes einzugehen. Daher mochte ich mich gro?tenteils auf die Neuigkeiten beschranken.
Der Test bezieht sich prinzipiell auf die englische Version 6.0, ich gehe jedoch in Ausnahmefallen auch auf die Version 6.1 ein, die in absehbarer Zeit in deutsch erscheinen wird. Unter Ihnen gibt es sicherlich auch Leser, die den Chess Assistant noch nicht kennen. Und Sie mochten bestimmt wissen, welche Vorzuge der Chess Assistant hat. Und welche Nachteile. Wo sind die Unterschiede zwischen dem Chess Assistant und ChessBase? Alle Fragen zu beantworten ist nicht moglich. Dafur sind diese Softwareprodukte bei weitem zu komplex. Ich werde aber versuchen, die Unterschiede so gut wie moglich herauszuarbeiten.
Bei ChessBase 8 sieht das Partieeingabefenster zum Beispiel aus wie nachstehend abgebildet.
Beim Chess Assistant 6 sieht es dagegen folgenderma?en aus:
Oder so:
Manchmal sogar so:
Das Partieeingabefenster von ChessBase sieht um ein Vielfaches besser aus als das von Chess Assistant. Beim Chess Assistant ist die Reihenfolge der Fenster jedes Mal anders undmanchmal sind bereits Felder ausgefullt.
Woran liegt das? Nun, bei ChessBase hat jemand ein schones Fenster programmiert, beim Chess Assistant schlagt die Objektorientierung durch. Die Partieeingabe ist nichts anderes als eine Liste aller moglichen Felder, und die Reihenfolge kann durch den Benutzer nach Belieben eingestellt werden, man kann auch diejenigen Felder aus der Liste herausschmei?en, die man sowieso nicht benotigt. Und man kann bestimmen, welche Partiedaten automatisch von der letzten Partie ubernommen werden sollen, so dass man sie nicht extra eingeben muss (z.B. macht es Sinn, Turnier, Ort, Datum nur einmal einzugeben und nicht bei jeder Partie neu).
Der Chess Assistant uberzeugt also vor allem durch seine Objektorientierung und seine ausgeklugelten Konzepte, die in jedem Winkel des Programmes die Arbeit spurbar erleichtern. Naturlich kann man die Vorteile dieser Dinge nur nutzen, wenn man sich mit Ihnen beschaftigt. Bei den schon seit Jahren vorhandenen Konzepten wie Lexikon und Baum liegen die Vorteile auch auf der Hand. Beim in der Version 6 eingefuhrten "Windows Style Classifier" ist das nicht unbedingt so, ihn muss man schon ein wenig genauer unter die Lupe nehmen.
Im neuesten Chess Assistant ist also ein neues Konzept hinzugekommen. Ein Konzept, das sich dem Benutzer nicht sofort erschlie?t, aber unheimlich flexibel ist. Worum geht es dabei ? Nun, in erster Linie ist der "Windows Style Classifier" dazu da, Partien zu klassifizieren. Beim Chess Assistant gab es ja schon immer die Klassen, die nichts anderes sind als die Medaillen bei ChessBase. Unter Medaillen kann man sich vielleicht mehr vorstellen, man kann bestimmte Partien mit der Medaille "schone Partie" oder "Taktik" versehen, was nichts anderes bedeutet, als beim Chess Assistant Partien in die Klasse "Taktik" einzuordnen. Damit hat man dann schnellen Zugriff auf alle taktisch interessanten Partien, man lasst sich einfach alle Partien der Klasse "Taktik" ausgeben.
Der "Windows Style Classifier" baut nun auf diesem System auf, jedoch mit einigen wesentlichen Unterschieden:
1. man kann beliebig viele Klassen erstellen und beliebig benennen.
2. jede Klasse kann beliebig viele Unterklassen enthalten, die wiederum Unterklassen enthalten kann, die wiederum...
Dadurch entsteht ein baumartiges Gebilde (siehe Abbildung).
Dies ist ein bei Chess Assistant mitgelieferter Classifier, der im Prinzip nichts anderes ist als ein Eroffnungsschlussel bei ChessBase oder der Chess Academy, nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass beim Chess Assistant Classifier beliebig selbst erstellt werden konnen.
Wie bereits erwahnt, dient der Windows Style Classifier dazu, Partien zu klassifizieren bzw. zu ordnen. Das hei?t, das jeder einzelne "Zweig" dieses Baumes, jede einzelne Klasse Partien enthalt, auf die ich durch Auswahlen der Klasse zugreifen kann. Wenn man einen Classifier selbst erstellt, gibt es 2 Moglichkeiten, Partien einzuordnen. Einerseits kann man eine Partie bzw. eine Menge von Partien (Dataset) direkt in eine Klasse einordnen, z.B. auch durch Drag & Drop. Das macht beispielsweise Sinn, wenn man Kategorien wie "schone Partien" hat, die man manuell zuordnen mochte. Eine andere Moglichkeit ist, einer Klasse ein Suchkriterium zuzuordnen, was beispielsweise fur Eroffnungs- und Endspielschlussel Sinn macht. Einfach eine bestimmte Suchstellung eingegeben, schon hat man alle gewunschten Partien in der entsprechenden Klasse.
Neu beim Chess Assistant 6 ist auch die Moglichkeit, Partien mit Multimediakommentaren zu versehen (Bilder, Musik und Videos). Diese Moglichkeit gibt es auch beim Classifier, jede Klasse kann zusatzlich au?er einem Dataset und einem Suchkriterium auch Multimediakommentare enthalten. Au?erdem kann man einen Text fur jede Klasse eingeben, den man in allen Farben, Schriftgro?en, Formatierungen (auch Formate fur Uberschriften beispielsweise beliebig erweiterbar) designen kann. Mit diesen Moglichkeiten lasst sich der Classifier wirklich fur alles Mogliche nutzen, man konnte zum Beispiel auch ein Spielerlexikon nach der Art von ChessBase erstellen. Fur jeden Spieler eine Klasse, als Suchkriterium den Namen, ein Bild eingefugt, Informationen uber den Spieler eingefugt...
Eine der wichtigsten Eigenschaften des Classifiers ist es jedoch, dass man ihn als sogenanntes "Template" abspeichern kann, und fur eine andere Datenbank importieren kann. Das hei?t, dass ein Classifier zwar fur eine bestimmte Datenbank erstellt wird, jedoch auf alle anderen Datenbanken ubertragen werden kann. Es reicht also, ein Spielerlexikon fur eine Datenbank zu erstellen.
Das Konzept ist allerdings sicher erst noch am Anfang der Entwicklung, es sind noch einige Verbesserungen denkbar. Zum Beispiel konnen seit der Version 6 jetzt auch Datasets sortiert werden, ohne gleich die komplette Datenbank zu sortieren, was ich mir auch fur den Classifier als Moglichkeit wunschen wurde.
Seit der Version 5 kann man den Chess Assistant als vollwertiges Schachprogramm bezeichnen. Wenn der Chess Assistant von den Schachprogrammen von der Funktionalitat zwar nicht mit einem reinen Schachprogramm wie Fritz mithalten kann, ist er zumindest auf dem besten Weg dorthin. Im Lieferumfang sind die aktuellen Versionen Tiger 14 und Gambit Tiger II enthalten (in der englischen Version 6.0 sind Tiger 13 und Gambit Tiger 1 enthalten, die Updates sind aber kostenlos erhaltlich. In der deutschen Version 6.1 werden die aktuellen Versionen dabei sein), UCI-Engines wie Shredder 5 werden unterstutzt, ebenso wie die MCS-Engines. Auch die Winboard-unterstutzung wurde verbessert. Damit stehen dem Anwender mit den beiden Tigern und Shredder 5 erstklassige Moglichkeiten zur Verfugung, nach dem Wechsel von Shredder zu ChessBase wird naturlich die Zukunft zeigen mussen, ob das Konzept der UCI-Engines weitergenutzt werden wird. Es ist klar, dass man bei ChessBase aus einem gro?eren Fundus an moglichen Analyseengines zuruckgreifen kann.
Zwei weitere wichtige Neuerungen, die man im "Neuerungen-Katalog" von Chess Assistant 6 fast ubersieht: einerseits werden die Nalimov-Tablebases jetzt direkt unterstutzt. Sie erscheinen in der Liste als eigene Engine, konnen aber auch von allen anderen Programmen (die sie unterstutzen) genutzt werden. Und der Chess Assistant 6 ist jetzt multivariantenfahig! Uber einen Schalter kann man einstellen, ob man beispielsweise die 3 oder 5 besten Zuge angezeigt haben mochte. Sowohl Tiger (ab Version 13), als auch Gambit Tiger oder auch Shredder 5 unterstutzen die Mehrvariantenanalyse.
Als weitere Neuigkeit hat der Chess Assistant 6 die sogenannte "Interaktive Analyse" parat. Die Idee, die hinter dieser Funktion steckt, ist folgende: eine Engine rechnet zum Beispiel 8 Halbzuge tief, fuhrt diesen Zug aus, rechnet wieder, fuhrt den Zug aus, usw. Dadurch wird schnell eine hohere Tiefe erreicht. Wenn die Engine beispielsweise 6 Zuge gemacht hat, geht sie in der Partie wieder zuruck und verwendet die Ergebnisse, um die gemachten Zuge noch einmal zu uberprufen. Je nach Stellung kann dieses Tool meiner Meinung nach sehr nutzlich sein, hangt aber dann sehr von den richtigen Einstellungen ab, hier ist ein wenig Tufteln gefragt. Man muss bei der "Interaktiven Analyse" ubrigens nicht tatenlos zusehen, man kann dem Programm auch Vorschlage unterbreiten, die es untersuchen soll.
Auch bei den Enginefunktionen sind einige Dinge neu: der Autoplayer wird unterstutzt, au?erdem sind Engine-Turniere moglich, entweder als Runden- oder Schweizer-System-Turniere. Dabei kann ein Turnier auch beliebig unterbrochen und spater fortgesetzt werden.
Einer der wichtigsten Neuigkeiten beim Chess Assistant 6 ist zweifellos die Unterstutzung des ICC, des Internet Chess Clubs, eines Schachservers, auf dem man Partien spielen kann, sich unterhalten kann, usw. Der ICC ist nicht der einzige Schachserver, aber der gro?te. Au?er dem ICC gibt es beispielsweise noch chess.net und FICS (Free Internet Chess Server).
Damit waren wir auch gleich beim "Nachteil" des ICC-Supports. Der ICC-Support unterstutzt, wie der Name impliziert, nur den ICC, nicht aber die anderen Schachserver. Convekta hat es vorgezogen, den ICC sehr gut zu unterstutzen, anstatt ICC und FICS nicht ganz so gut. Der ICC hat jedenfalls den Nachteil, dass man fur die Benutzung bezahlen muss (49$ im Jahr), die anderen Schachserver hingegen kostenlos sind. Meiner Meinung nach steht und fallt damit die Beurteilung des ICC-Support mit der Beurteilung des ICC. Daher mochte ich auch ein wenig auf den ICC eingehen.
Ich habe vor einiger Zeit oft auf FICS Partien gespielt und nicht eingesehen, warum ich fur etwas Geld zahlen sollte, was ich woanders umsonst bekomme. Nun ist aber beim Chess Assistant 6 eine kostenlose Mitgliedschaft beim ICC von einem Monat dabei (jeder kann den ICC bereits eine Woche kostenlos testen, anschlie?end kann man dann als Chess Assistant-Besitzer um einen Monat verlangern), da konnte ich zum ersten Mal ICC und FICS vergleichen. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich habe meine Meinung uber den ICC geandert und mir vor einigen Tagen eine Jahresmitgliedschaft besorgt. Was hat mich zu diesem Meinungsumschwung bewogen?
Der erste offensichtliche Vorteil ist, dass beim ICC um ein Vielfaches mehr Schachspieler online sind als bei FICS, es ist wesentlich einfacher, einen Gegner mit entsprechender Spielstarke und Bedenkzeitvorliebe zu finden. Bei FICS habe ich tagsuber meist nur Gegner gefunden, die 400 Punkte schlechter waren als ich. Bei ICC ist es kein Problem, auch mal einen besseren Gegner zu finden. Einer der gro?ten Vorteile des ICC ist die Liveubertragung vieler Spitzenturniere, die auch um Langen besser und schneller sind als beispielsweise Liveubertragungen bei Kasparovchess. Auch gibt es beim ICC viele Events, wo Titeltrager zum Beispiel gegen Spieler mit Rating unter 1800 antreten. Uberhaupt sind beim ICC sehr viele Titeltrager anwesend, deren Partien man zusehen kann. Bei samtlichen Schachservern kann man sich auch als Gast einloggen und ein paar Partien spielen, das ist allerdings (unter anderem aufgrund schwacher Gegner) relativ witzlos. Teilweise kann man die Turniere wohl auch als Gast beobachten, ich wei? nicht, ob das bei allen Turnieren geht. Soviel zum ICC, ich kann jedem nur empfehlen, die kostenlose Probemitgliedschaft auszuprobieren, dann kann man ja sehen, ob einem der ICC das Geld wert ist. Kommen wir nun also zum ICC-Client von Chess Assistant 6.
Ich habe mir zum Vergleich kurz den BlitzIn-Client (der vom ICC auf der Homepage angeboten wird) angesehen. Wahrend man bei BlitzIn am Anfang von einigen Fenstern, die ubereinander liegen und etlichen Schaltern erschlagen wird, ist der Chess Assistant 6 schon aufgeraumt. Nachdem man sich eingewahlt hat (bin ich denn schon drinnen?) erscheint der Startbildschirm, wo auch gleich aktuelle Neuigkeiten angezeigt werden. Zum Beispiel wird auf aktuelle Turniere hingewiesen. Bei den Turnieren ist jeweils angegeben, durch welchen Befehl (z.B. "finger Mainz2001") man weitere Informationen zum jeweiligen Turnier erhalt. Das geht beim Chess Assistant 6 wie auch bei BlitzIn sehr einfach, man klickt einfach mit der Maus auf diesen Befehl, man muss ihn nicht umstandlich per Hand eingeben. Eine deutliche Erleichterung gegenuber den meisten anderen Clients. Auch im Text angegebene Internet-Adressen konnen direkt angewahlt werden, der Browser offnet sich mit der entsprechenden Seite. Uber dem Startfenster sieht man einige Reiter, beispielsweise kommt man uber den entsprechenden Reiter direkt zur Spielerliste, wo man beliebige Filter setzen kann (z.B. keine Computer oder nur Spieler mit Wertung gro?er als 2000), ebenso kommt man zum Seek-Diagramm (siehe Abbildung), wo man alle Angebote, eine Partie zu spielen, graphisch betrachten kann. Normalerweise ist Alles voller Angebote von Computern, doch auch hier kann man problemlos einen Filter setzen und damit aussortieren. Durch Klick auf einen Punkt wahlt man ein Angebot aus, und wenn der andere einverstanden ist, kann die Partie losgehen.
Der komplette ICC-Client ist ein Fenster im Chess Assistant 6, wie eine Datenbank, wahrend man im ICC ist, konnen alle Funktionen des Chess Assistant 6 genutzt werden, man kann zum Beispiel die eben gespielte Partie analysieren. Sobald man jedoch mit einer neuen Partie beginnt, schiebt der Chess Assistant 6 einen Riegel vor, die Analysefunktionen funktionieren nicht mehr, um ein Beschummeln zu verhindern. Die gespielten Partien werden auf Wunsch mit Bedenkzeit und Bewertung (bei Computerpartien) gespeichert.
Meiner Meinung nach ist der ICC hervorragend implementiert, die wichtigsten Funktionen sind einfach und ubersichtlich zu handhaben, man kann beispielsweise auch einige Variablen, die der ICC unterstutzt, bequem einstellen (siehe Abbildung). Auch mit einer Winboardengine zu spielen, ist ganz einfach. Einfach die Engine angeben, Verbindung zum ICC aufbauen, ein Match vereinbaren, der Rest geht von selbst.
Chess Assistant 6 hat au?er den gro?en Dingen noch eine gro?e Menge an kleineren neuen Funktionen und Detailverbesserungen zu bieten.
Die Suchoperationen sind jetzt endlich "vollstandig", neben der Partiedaten-, Stellungs- und Materialsuche kann man jetzt auch endlich nach Manovern suchen (wie bereits in der letzten ChessBits angesprochen), die Optionen dabei gefallen mir gut, man kann Schlagzuge beachten oder nicht (und dabei noch die Art der geschlagenen Figur beachten oder nicht), man kann eine Verzogerung zwischen den einzelnen Zugen einstellen (z.B. Sg1-f3, fruhestens 3 Zuge spater dann Sf3-e5). Auf die Reihenfolge kommt es dabei an, das hei?t, die Zuge mussen genau in dieser Reihenfolge gespielt worden sein. Wenn man Manover sucht und dabei die Reihenfolge nicht beachten will, geht das auch, allerdings muss man dafur neben Manoversuchen auf die Datasetoperationen zuruckgreifen (Schnittmenge bilden). Bei der Stellungssuche sind eine paar neue Moglichkeit hinzugekommen, man kann jetzt nach ungleichen Laufern oder einem bestimmten Materialvorteil suchen.
Eine ganz neue Funktion, die auch mit dem neuen Classifier-Konzept arbeitet, ist "Ratings & Normen". Hier kann man einen Spieler und ein Jahr auswahlen, man erhalt eine Liste aller Turniere, die der Spieler in dem betreffenden Jahr gespielt hat, fur jedes Turnier sind die ELO-Performance sowie eventuelle Normen angegeben. Chess Assistant beherrscht sowohl die Kriterien fur GM und IM als auch die weiblichen Normen WGM und WIM. Leider kann man fur eine beliebige Partienmenge keine ELO-Performance direkt berechnen (wie das bei ChessBase geht). Wenn man das aber unbedingt benotigt, muss man in die Trickiste greifen und die Partiedaten ein wenig verandern.
Man merkt, dass beim Chess Assistant 6 an allen Ecken gefeilt wurde, zum Beispiel wurden alle lokale Menus uberarbeitet, dort findet man immer das, was man sucht, allerdings sind sie teilweise ein wenig uberfrachtet. Die kleinen Probleme, die der Chess Assistant 5 noch hatte, gehoren jetzt der Vergangenheit an, die Moglichkeit, Partien mit Multimediakommentaren zu versehen, ist jetzt auch vorhanden. Die Turniertabellen sind uberarbeitet worden, jetzt bekommt man auch bei Schweizer System Turnieren eine Auflistung mit allen Einzelergebnissen und Gegnern. Kleinere Anderungen gab es noch im Datenformat (jetzt auch Eingabe des Tages moglich usw.) und in der Lexikonverwendung bei der Partieeingabe. Wie bei ChessBase kann man jetzt auch Datenbanken mailen (nicht so komfortabel wie bei ChessBase), es gibt jetzt auch einen Integritatstest, Datenbanken konnen repariert oder gepackt werden.
Wer Partiedaten vereinheitlichen oder global editieren will, fur den war der Chess Assistant schon immer das beste Datenbankprogramm. Die Konkurrenz hat hier relativ wenig zu bieten und was ich nie zu traumen gewagt hatte, Convekta hat den Vorsprung noch weiter ausgebaut! Ich bin bei der Arbeit mit meinen Datenbanken auf einige Probleme gesto?en, die kein Datenbankprogramm losen kann, und ich hatte nie gedacht, dass ein Programm diese Probleme losen wurde. Ein Irrtum! Beispielsweise habe ich in einer Datenbank die Spielernamen mit Umlauten und Kommas, in einer anderen Datenbank die Namen ohne Umlaute und Kommas. Was tun? Entweder muhsame Kleinarbeit, oder ein Script unter Chess Assistant 6 laufen lassen: "Schmei? die Kommas raus! Umlaute will ich nicht mehr!", und schon gehort dieses Problem der Vergangenheit an. Auch uber die Suchen/Ersetzen-Funktion fur das Lexikon bin ich sehr dankbar. Ein weiteres Problem, dass ich schon oft hatte: der eine schreibt eine bestimmte Information in die Rubrik "Ort", der andere in die Rubrik "Turnier". Fruher habe ich das uber den Umweg PGN und Word losen mussen, jetzt gibt es beim Chess Assistant 6 die Moglichkeit, Informationen von einer Spalte in eine andere zu ubertragen. Genial! Convekta hat meines Erachtens wirklich ein Gespur, weiterbringende Funktionen einzubauen.
Wie bereits erwahnt, gehoren Probleme mit PGN jetzt der Vergangenheit an, Chess Assistant halt sich jetzt komplett an den PGN-Standard. Austausch mit PGN und EPD ist kein Problem, die ChessBase-Formate konnen gelesen werden (laut Convekta ist der Import verbessert worden). Auch der Austausch von Partien bzw. Notationen uber die Zwischenablage scheint noch einmal verbessert worden zu sein. Bei Chess Assistant 5 klappte das nicht immer perfekt, beim Chess Assistant 6 lauft es jetzt ohne Probleme. Der Export in Word-Dokumente, der in der Vorgangerversion gro?e Probleme wegen unterschiedlicher Word-Versionen bereitet hatte, ist wieder gestrichen worden. Das ist aber kein Problem, da der RTF-Export hervorragend ist und weiter verbessert wurde. Fur den RTF-Export lasst sich so ziemlich Alles einstellen, was man sich vorstellen kann.
Es wird jetzt auch dynamisches HTML unterstutzt, das hei?t, man kann von Chess Assistant 6 aus Webseiten erzeugen, womit man am Bildschirm Partien durchspielen kann. Die entstehenden HTML-Dokumente (siehe Abbildung) sehen ganz anders aus als ihre Pendants von ChessBase, aber ich konnte wirklich nicht sagen, wer hier die Nase vorn hat. Das ist eine reine Geschmacksfrage.
Convekta ist mit der Version 6 (wieder) ein entscheidender Fortschritt gelungen, Chess Assistant 6 ist zweifellos der beste Chess Assistant, den es jemals gab. Und ich lege mich hiermit fest: Chess Assistant 6 ist auch das beste Schachdatenbankprogramm, das es jemals gab. Kein anderes Programm ist derma?en flexibel, beispielsweise fur die Datenbearbeitung gibt es kein Programm, dass dem Chess Assistant 6 auch nur annahernd das Wasser reichen kann. Mit dem ICC-Support und dem Classifier-Konzept hat Convekta Ma?stabe gesetzt, auch bei den Analysemoglichkeiten ist der Chess Assistant 6 unter den Datenbankprogrammen fuhrend. Der Classifier ist aber auch ein gutes Beispiel dafur, dass man die volle Starke des Chess Assistant nur nutzen kann, wenn man sich mit ihm und seinen Konzepten beschaftigt, was nicht immer ganz einfach ist. Manche sagen, der Chess Assistant sei nicht so intuitiv zu bedienen. Dem kann ich nicht zustimmen, das ist reine Gewohnheitssache, ich tue mir zum Beispiel mit der Bedienung von ChessBase 8 schwer. Auch wenn beide Programme im Handling der Grundfunktionen ziemlich unterschiedlich sind, glaube ich aber nicht, dass eines von beiden Programmen dem anderen gegenuber leichter zu bedienen ist. Wer aber die komplexeren Funktionen des Chess Assistant 6 beherrschen will, der muss sich ausfuhrlich mit dem Programm beschaftigen. Das sind dann aber Dinge, die man bei der Konkurrenz gar nicht erst machen kann (Classifier, Datasetoperationen, etc.).
Wo ist der Chess Assistant 6 verbesserungswurdig? Oder wo ist die Konkurrenz im Vorteil? Ein wichtiger Punkt sind sicherlich die einzubindenden Engines, hier hat ChessBase (naturlich) die Nase vorn, und nach der Geschaftsaufgabe von Millenium konnte sich der Vorsprung von ChessBase eher noch vergro?ern. Au?erdem hat ChessBase unter anderem mit Trainings-CD’s das bessere Zusatzangebot, wobei Convekta in dieser Richtung auch nicht untatig ist. Hier hat auch die Chess Academy 6 Office einiges zu bieten, da bei der Chess Academy die Lernprogramme bereits in der Schachdatenbank enthalten sind. Auch die Hilfe ist mir in Anbetracht der Komplexitat des Chess Assistant ein wenig zu knapp, hier kann man bei der Chess Academy 6 Office sehen, wie es sein soll.
Was mir (trotz Verbesserung) beim Chess Assistant 6 noch nicht ganz gefallt, sind die Turnier- und (besonders die) ECO-Tabellen, die es nicht mit ChessBase 8 aufnehmen konnen. Die Turniertabellen werden allerdings in Version 6.1 noch einmal erheblich uberarbeitet werden, dem Nachteil, dass sie nicht ganz so schon aussehen wie bei ChessBase 8, steht aber der Vorteil gegenuber, dass man beim Chess Assistant alles einstellen kann (z.B. Schrift, Farbe) wie man sich das vorstellt.
Ein paar Worte noch zur Stabilitat: der Chess Assistant ist sehr laufstabil, ich kann mich an keinen Absturz erinnern (durfte hier ebenso gut wie die Chess Academy sein). In der Version 6.0 gibt es wenige kleine Bugs bei den neuen Partiedatenoperationen, die aber in der Version 6.1 behoben sein werden (in der mir vorliegenden Beta sind sie schon gro?tenteils behoben), da hat man mit ChessBase 8 deutlich mehr Probleme. Ich mochte auch noch hinzufugen, dass Convekta Wunsche und Verbesserungsvorschlage der Kunden sehr ernst nimmt. Ich hatte Convekta einen Verbesserungsvorschlag gemailt, den sie noch am selben Tag umgesetzt haben, am nachsten Tag konnte ich die Funktion in der Praxis ausprobieren.
| Vorteile | Nachteile |
| + sehr umfangreiches, komplexes Programm | - sehr umfangreiches, komplexes Programm, fur manchen vielleicht zu umfangreich. |
| + uberragende Partiedatenbearbeitung | - ECO-Tabellen verbesserungswurdig |
| + flexibelste Datenbank | - Hilfe ziemlich knapp |
| + hervorragende Analysemoglichkeiten | - keine Einbindung von ChessBase-Engines |
| + sehr laufstabil, kaum Bugs | |
| + sehr guter ICC-Client |
Der Chess Assistant 6 kostet 299 DM, das Update 149 DM. Fur Chess Assistant Besitzer ist ein Update meiner Meinung nach "Pflicht", auch wenn man zum Beispiel den ICC-Support nicht benotigt und keine Lust hat, sich mit dem Classifer zu beschaftigen, so durften alleine die Tiger zusammen mit den neuen Analysemoglichkeiten das Geld wert sein. Und fur diejenigen, die noch kein Datenbankprogramm besitzen: ich wusste nicht, wo Sie mehr bekommen fur Ihr Geld.
Martin Schubert